- Auswahl des Spenderzahns: Zunächst wird geprüft, welcher überzählige Zahn sich als Spender eignet – meist ein gesunder Weisheitszahn, mitunter auch ein Prämolar oder ein noch nicht durchgebrochener Eckzahn.
- Vorbereitung der Empfängerstelle: Der beschädigte oder verlorene Zahn wird entfernt und das Zahnfach so vorbereitet, dass der Spenderzahn passgenau hineinpasst.
- Entnahme und Einsetzen: Der Spenderzahn wird möglichst schonend entnommen, damit die Wurzelhaut intakt bleibt, und unmittelbar danach in die neue Position eingesetzt und mit einer kleinen Schiene fixiert.
- Einheilung: In den folgenden Wochen verbindet sich der transplantierte Zahn über die Wurzelhaut mit dem umliegenden Kieferknochen. Ist die Wurzel des Spenderzahns noch nicht vollständig ausgebildet, kann sie sich am neuen Standort sogar weiterentwickeln.
- Nachsorge: Nach dem Eingriff sind regelmäßige Kontrolltermine notwendig, damit der Zahn sicher einheilt.
Einen Zahn kann man in jedem Alter verlieren, sei es durch eine Erkrankung oder einem Unfall. Wenn so etwas passiert, denken die meisten zuerst an ein Implantat. Weniger bekannt ist, dass es dafür in bestimmten Fällen eine biologische Alternative gibt: die Zahntransplantation. Dabei wird kein künstliches Material eingesetzt, sondern ein eigener Zahn an die Stelle des fehlenden Zahns versetzt. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie die Methode funktioniert, für wen sie geeignet ist und wo ihre Grenzen liegen.
Was ist eine Zahntransplantation?
Bei einer Zahntransplantation – fachsprachlich auch autogene Zahntransplantation genannt – wird ein eigener, meist überzähliger Zahn chirurgisch entnommen und in das Zahnfach des fehlenden Zahns eingesetzt. Als Spenderzahn eignet sich häufig ein Weisheitszahn, seltener auch ein Prämolar – also ein kleiner Backenzahn.
Der entscheidende Unterschied zum Implantat liegt im Material: Während bei einem Implantat ein künstlicher Zahnersatz aus Titan oder Keramik in den Kiefer eingebracht wird, handelt es sich bei der Transplantation um einen echten, körpereigenen Zahn – inklusive der sogenannten Wurzelhaut (Parodontalligament), die den Zahn im Kiefer verankert und für seine natürliche Beweglichkeit sorgt.
So läuft eine Zahntransplantation ab
Der Eingriff erfolgt im Wesentlichen in diesen Schritten:
Für wen kommt eine Zahntransplantation infrage?
Die Methode eignet sich nicht für jede Situation, hat aber in bestimmten Fällen klare Vorteile. Typische Anwendungsbereiche sind:
- Nichtanlagen im Jugendalter: Wenn ein bleibender Zahn von Geburt an fehlt, kann ein überzähliger eigener Zahn die Lücke schließen.
- Zahntraumata: Nach einem Unfall, bei dem ein Zahn nicht erhalten werden kann, bietet die Transplantation eine Möglichkeit zum Ersatz.
- Kieferorthopädisches Gesamtkonzept: In Kombination mit einer kieferorthopädischen Behandlung lässt sich die Transplantation oft sinnvoll in den Gesamtplan einbinden.
- Noch nicht abgeschlossenes Kieferwachstum: Bei jungen Patientinnen und Patienten, bei denen ein Implantat aufgrund des Wachstums noch nicht infrage kommt, kann ein transplantierter Zahn eine Übergangs- oder sogar dauerhafte Lösung sein.
Vorteile gegenüber einem Implantat
Die Zahntransplantation bringt gegenüber einem Implantat einige biologische Besonderheiten mit sich:
- Körpereigenes Material: Da kein Fremdmaterial eingesetzt wird, ist das Risiko einer Abstoßungsreaktion sehr gering, und die biologische Verträglichkeit ist entsprechend hoch.
- Erhaltene Wurzelhaut: Der transplantierte Zahn behält seine natürliche Wurzelhaut. Das ermöglicht ein physiologisches Belastungsgefühl beim Kauen – ähnlich wie bei einem gewachsenen Zahn – und unterstützt den Erhalt der Knochenstruktur besser, als es ein starr im Knochen verankertes Implantat kann.
- Mitwachsfähigkeit bei Jugendlichen: Anders als ein Implantat, das seine Position dauerhaft fixiert, kann ein transplantierter Zahn bei noch wachsenden Patientinnen und Patienten mit dem Kiefer mitwachsen.
- Natürliches Weichgewebe: Ein echter Zahn unterstützt häufig ein natürlicheres Zahnfleischprofil, was besonders im gut sichtbaren Frontzahnbereich von Vorteil sein kann.
Wo liegen die Grenzen der Methode?
So vielversprechend die Zahntransplantation in geeigneten Fällen ist, sie eignet sich nicht für jede Ausgangssituation. Voraussetzung ist immer ein passender, gesunder Spenderzahn. Ist dieser nicht vorhanden, entfällt die Option von vornherein. Zudem erfordert der Eingriff eine sorgfältige Diagnostik und Indikationsstellung, da Faktoren wie der Entwicklungsstand der Zahnwurzel und die Beschaffenheit des Kieferknochens den Erfolg maßgeblich beeinflussen. Häufig ist außerdem eine interdisziplinäre Abstimmung zwischen Zahnchirurgie, behandelnder Zahnärztin oder Zahnarzt und gegebenenfalls Kieferorthopädie sinnvoll, um das beste Ergebnis zu erzielen.