Für viele Menschen ist nicht der Eingriff selbst das Problem, sondern die Vorstellung davon: das Gefühl, ausgeliefert zu sein, die Angst vor Schmerzen oder der Gedanke an die Geräusche im Behandlungszimmer. Die gute Nachricht: Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine Behandlung so angenehm wie möglich zu gestalten.
Welche davon die richtige ist, hängt nicht allein vom Eingriff ab. Entscheidend sind auch sein Umfang, die Dauer, die Lage der betroffenen Zähne, Ihr persönliches Angstempfinden, ein eventuell starker Würgereiz und Ihr allgemeiner Gesundheitszustand. Dieser Beitrag gibt Ihnen einen Überblick über die drei Verfahren und eine Orientierung, welche Methode für welchen Eingriff infrage kommt.
Die drei Verfahren im Überblick
Örtliche Betäubung (Lokalanästhesie)
Bei der örtlichen Betäubung bleiben Sie wach und ansprechbar. Das Medikament wird direkt in die Behandlungsstelle gespritzt und schaltet dort das Schmerzempfinden aus. Druck oder leichte Bewegungen können Sie weiterhin wahrnehmen, Schmerzen aber nicht. Für die meisten zahnärztlichen und kleineren oralchirurgischen Eingriffe reicht dieses Verfahren vollkommen aus.
Vollnarkose
Bei der Vollnarkose sind Bewusstsein und Schmerzempfinden vollständig ausgeschaltet. Sie schlafen während der Behandlung tief und bekommen nichts mit. Auch in diesem Fall wird der Operationsbereich in der Regel zusätzlich lokal betäubt.
Sedierung (Dämmerschlaf)
Bei der Sedierung erhalten Sie ein beruhigendes Medikament. Sie sind dadurch tief entspannt oder dämmern in einen schlafähnlichen Zustand, sind aber in der Regel jederzeit ansprechbar. Viele Patientinnen und Patienten erinnern sich an die Behandlung kaum oder gar nicht. Der Bereich wird zusätzlich örtlich betäubt, damit er sicher schmerzfrei ist. Es gibt verschiedene Arten, das Medikament zu verabreichen – in der Praxisklinik am Theater verwenden wir die Sedierung ausschließlich intravenös – also über die Vene. Während des gesamten Eingriffs wird Ihr Zustand kontinuierlich überwacht.
Wovon hängt die Wahl der Methode ab?
Welche Methode nun infrage kommt, hängt von den individuellen Voraussetzungen und dem persönlichen Empfinden ab, denn dieselbe Behandlung kann von zwei verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich erlebt werden. Folgende Punkte spielen bei der Entscheidung eine Rolle:
- Umfang und Dauer: Je umfangreicher und länger ein Eingriff, desto eher lohnt sich eine zusätzliche Entspannung oder Narkose.
- Lage und Schwierigkeit: Tief liegende oder schräg stehende Zähne sind aufwendiger als gut erreichbare.
- Angst vor der Behandlung: Starke Zahnarztangst ist ein anerkannter Grund für Sedierung oder Vollnarkose.
- Würgereiz:Wer schon bei kleinen Berührungen im Mund stark würgt, profitiert im Allgemeinen von einer Sedierung.
- Allgemeiner Gesundheitszustand: Vorerkrankungen und Medikamente fließen in die Entscheidung ein.
Wichtig ist: Die Wahl treffen Sie nicht allein, sondern gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam im Vorgespräch.
Welche Betäubung passt zu welchem Eingriff?
Die folgenden Angaben sind Orientierungswerte. Im Einzelfall kann die Empfehlung abweichen.
Zähne bzw. Weisheitszähne entfernen
Einzelne, gut erreichbare Zähne lassen sich meist unter örtlicher Betäubung entfernen. Bei Angst, Würgereiz oder mehreren Zähnen in einer Sitzung ist eine Sedierung sinnvoll. Sind alle Weisheitszähne betroffen oder liegen sie tief oder schräg im Kiefer, kommt auch eine Vollnarkose infrage.
Wurzelspitzenresektion, Zysten und Entzündungen
Kleinere Befunde lassen sich meist unter örtlicher Betäubung behandeln. Bei Angst oder längerer Dauer bietet sich eine Sedierung an, bei ausgedehnten Befunden oder mehreren betroffenen Regionen eine Vollnarkose.
Zahnimplantate, Knochenaufbau und Sinuslift
Ein einzelnes Implantat gelingt in der Regel mit örtlicher Betäubung, bei Angst ergänzt durch eine Sedierung. Bei mehreren Implantaten, Knochenaufbau oder Sinuslift ist die Sedierung sehr empfehlenswert. Bei großem Umfang oder schwieriger Anatomie kann auch eine Vollnarkose die bessere Wahl sein.
Umfangreiche kieferchirurgische Eingriffe
Größere Operationen dauern oft lange und sind aufwendig. Hier ist häufig eine Vollnarkose notwendig, da eine Sedierung allein selten ausreicht.